Serie Küstenfotografie - 1. Sicherheit
Es gibt für mich kaum einen Ort, der fotografisch so viel bietet wie die Küste.
Licht, das sich im Wasser spiegelt. Wellen, die sich ständig verändern. Wind und Flüsse, die Strukturen in Sand und Dünen zeichnen.
Und eine besondere Atmosphäre von Freiheit und Abenteuer, besonders, wenn ich oben auf der Klippe stehe und in die Weite blicke.
Küstenfotografie in all ihrer Vielfalt ist aber nicht nur easy und schön. Wind und Wetter machen sie manchmal mühsam und auch etwas gefährlich.
Deshalb beginnt diese Artikelserie nicht mit Kameraeinstellungen z.B. für Langzeitbelichtungen oder Bildgestaltung, sondern mit dem Thema Sicherheit.
11 Fehler, die die eigene Sicherheit oder das Equipment gefährden, habe ich dir zusammengetragen, damit du sie nicht machst.
Zu den einzelnen Fehlern kannst du direkt springen:
Eigene Sicherheit bei den Gegebenheiten an der Küste
- Fehler Nr. 1 Küstenabbrüche und Rutschungen nicht ernst nehmen
- Fehler Nr. 2 Gezeiten und Tidenhub nicht kennen
- Fehler Nr. 3 Sich am Strand der Steilküste zu weit vom Abstieg entfernen
- Fehler Nr. 4 Auf Wetterumschwünge nicht vorbereitet sein
- Fehler Nr. 5 Sonnenschutz, Kopfbedeckung und Sonnenbrille vergessen
- Fehler Nr. 6 Kein passendes Schuhwerk und nicht genug auf den Weg achten
Eigene Sicherheit und Gegebenheiten an der Küste
Fehler Nr. 1 Küstenabbrüche und Rutschungen nicht ernst nehmen
Steilküsten sehen oft sehr stabil aus – sind es aber nicht. Besonders nach Regen, Frost oder Sturm können ganze Bereiche plötzlich abbrechen oder abrutschen.
Das Gefährliche daran: Es gibt selten eine klare Vorwarnung. Wenn die Klippe unter dir oder, falls du am Strand stehst, neben dir, allerdings grummelnde Geräusche macht, solltest du schnell das Weite suchen.
Die meisten Steilküsten sind ungesichert, d.h. du musst alleine entscheiden, wie nahe du an die Kante gehst. Ein Schritt zu nah kann extreme Folgen haben.
Gleichzeitig liegen genau hier oft die spektakulärsten Motive. Wenn du kannst unterhalte dich vor deiner Fototour mit Einheimischen. Dann erfährst du auch von kürzlichen Küstenveränderungen.
Fehler Nr. 2 Gezeiten und Tidenhub nicht kennen
An vielen Küsten wirkt alles ruhig – bis die Flut zurückkommt. Und die kommt oft schneller, als man denkt.
Buchten, die eben noch einen Strand hatten, können innerhalb kurzer Zeit komplett mit Wasser gefüllt sein.
Das ist kein seltenes Szenario, aber häufiger ist es so, dass du „nur“ Wasser in deine Schuhe bekommst bzw. gegen einen Sog von Wasser ankämpfen musst, wenn du nicht auch Fehler Nr. 3 gemacht hast.
Ein Blick auf die Gezeitentabelle vorab reicht völlig, um das zu vermeiden. Im Sommer stehen die Zeiten für die nächste Flut an vielen englischen Stränden und Küstenabstiegen angeschlagen.
Rechne dir einmal kurz aus, wieviel Zeit du hast, bis die Flut kommt. Oft stelle ich mir sogar den Alarm auf dem Handy mit genug Puffer ein.
So kann ich in Ruhe fotografieren und muss nicht dauernd auf die Uhr schauen.
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Fehler Nr. 3 Sich am Strand der Steilküste zu weit vom Abstieg entfernen
Der Weg hinunter ist oft schon nicht einfach – der Rückweg erst recht nicht.
Gerade an der schönsten Steilküsten gibt es häufig nur wenige sichere Auf- und Abstiege. Wenn du dich davon zu weit entfernst, kann die Flut dir den Rückweg abschneiden.
Du wirst nicht glauben wie oft die Seenotrettung raus muss, um Leute aus eine Bucht oder aus dem Wattenmeer zu retten, weil sie sich zu weit gewagt haben.
Bleib dir bitte bewusst, wie weit dein Zugang weg ist.
Fehler Nr. 4 Auf Wetterumschwünge nicht vorbereitet sein
Auch an der Küste kann sich das Wetter innerhalb von Minuten ändern. Wind frischt auf, Regen zieht durch, Licht verschwindet. Was eben noch angenehm war, kann schnell unangenehm kalt oder sogar gefährlich werden.
Mit einer zusätzlichen Schicht Kleidung und einem Blick auf den Wetterbericht bist du auf der sicheren Seite.
Oft ist der Wetterbericht zwar schlechter als es dann tatsächlich kommt – und oft entstehen gerade bei wechselhaftem Wetter die besten Bilder, aber eine Regenjacke, die auch vor Wind schützt habe ich fast immer dabei.
Fehler Nr. 5 Sonnenschutz, Kopfbedeckung und Sonnenbrille vergessen
Es gibt ja Fotografen, die gehen nur zu goldener und blauer Stunde los. Da gehöre ich nicht dazu.
Außerhalb dieser Zeiten bedeutet Küste oft: viel reflektierendes Licht von Wasser und Sand, kaum Schatten und oft viel Wind.
Das fühlt sich zunächst angenehm an, führt aber schnell zu Sonnenbrand und/oder Erschöpfung.
Ein einfacher Schutz aus Sonnencreme (Ich nehme immer Faktor 50.), Kopfbedeckung und Sonnenbrille macht hier schon einen großen Unterschied.
So kannst du länger bleiben und hast mehr Zeit für gute Bilder.
Fehler Nr. 6 Kein passendes Schuhwerk und nicht genug auf den Weg achten
Nasse Felsen, rutschiger Tang, lose Steine, aber auch Wurzeln auf den Wegen, nur minimal befestigte Treppen und ausladende Ginsterbüsche – Küsten sind selten „einfach zu gehen“. Ein falscher Schritt und schon liegst du lang.
Deshalb gibt es von mir auf der Fotowanderreise immer den Hinweis: Gehen und Motive/Perspektive suchen, passen nicht zusammen. Lieber zum Fotografieren stehen bleiben und beim Wandern auf den Weg achten.
Mit feste Schuhen oder Gummistiefel bist du einfach besser unterwegs. Es klingt banal, aber mit verknacktem Fuß oder gebrochenem Bein ist die Fototour schnell zu Ende.
Dein Equipment schützen
Fehler Nr. 7 Rucksack oder Equipment unbedacht am Strand ablegen
Ein kurzer Moment Unachtsamkeit reicht: Eine Welle kommt weiter als gedacht, ein freilaufender Hund geht an deinen Rucksack oder der Untergrund ist nasser als gedacht und dein Rucksack dann auch.
Das du deinen Rucksack nicht offen lassen solltest, wenn du Equipment entnommen hast, gilt nicht nur an der Küste. Sonst treibt der Wind Sand hinein, du findest zu Hause kleine Tiere darin oder du vergißt, dass er offen ist und Alles fällt beim Aufsetzen heraus.
Meist lege ich den Rucksack gar nicht ab, denn der Sand ist auch ohne Regen oft nasser als man denkt.
Sieh dir den Ort, wo du den Rucksack ablegst genau an. Stabil, etwas erhöht auf Felsen, weit weg von hereinkommender Flut und Dieben liegt der Rucksack am besten. Das kostet dich nur einen Augenblick – verhindert aber teure Schäden.
Fehler Nr. 8 Ungeschützter Objektivwechsel
Wind und Sand sind eine schlechte Kombination für offene Kameras. Gerade an der Küste reicht eine Böe, um feine Partikel ins Gehäuse zu wedeln.
Salzwasser hinterlässt zudem Flecken auf der Optik, auch auf der rückseitigen Linse oder sogar auf dem Sensor, wenn du nicht aufpasst.
Wenn der Wind und die Gischt nicht zu stark sind und du den Wechsel bewusst planst, passiert in der Regel nichts.
Ich nutze meinen Wanderrucksack und meinen Körper als Schutz, Lege mir das Objektiv zurecht, halte die Kamera konstant nach unten und arbeite schnell und konzentriert. Es ist eine Frage der Routine als des Aufwands.
Trotz Routine verzichte ich im Zweifel auf einen Objektivwechsel und habe mir gut überlegt, mit welchem Objektiv ich losgehe.
Fehler Nr. 9 Stativ nicht sichern
Ein Stativ steht am Meer selten wirklich stabil. Wind, unebener Untergrund, Sand oder zurücklaufendes Wasser können es schnell kippen lassen. Deshalb habe ich so gut wie immer eine Hand am Stativ und habe es schon ein zwei mal davor bewahrt samt Kamera umzukippen.
Achte noch mehr als sonst auf festen Stand und halte deine Hand so, dass du dein Stativ bzw. die Kamera im entscheidenden Moment festhalten kannst. Dann wird es zu dem Werkzeug, das es sein soll – und nicht zum Risiko.
Fehler Nr. 10 Kein Tuch/Blasebalg zur Reinigung der Linse vor Ort dabei
Die feinen Wassertröpfchen der Gischt setzen sich schnell auf der Linse ab. Das siehst du oft erst später – wenn die Bilder flau oder fleckig wirken.
Deshalb öfter mal einen Blick auf die Linse werfen oder die Bildkontrolle am Display ernst nehmen und öfter reinzoomen ins Bild, um Schärfe zu kontrollieren und Flecken zu entdecken. Dann mit einem Mikrofasertuch reinigen. So hab ich schon manches Bild gerettet.
Gegen Sand hilft ein Blasebalg. Beides hat wenig Gewicht, aber einen großen Effekt.
Fehler Nr. 11 Keine sofortige Reinigung der Ausrüstung nach der Rückkehr
Salz ist tückisch. Es bleibt unsichtbar zurück und greift langfristig Metall, Dichtungen und Mechanik an. Sand ist zwar zu sehen, zerkratzt aber Linse und Gehäuse.
Wenn du deine Ausrüstung nach der Fototour reinigst, verhinderst du genau das und verlängerst die Lebensdauer deiner Kamera, der Objektive und des Stativs deutlich.
Es dauert zwar etwas, besonders, wenn du es sorgfältig machst. Ich baue dabei das Stativ oft auseinander und reinige es mit Süßwasser.
Wie immer freue ich mich sehr über einen Kommentar von Dir. Vermeidest du schon alle diese Fehler oder hast du dich bei dem einen oder anderen ertappt?
Fallen dir noch mehr Fehler ein? Dann bin ich besonders an deinem Kommentar interessiert.
Mit Kommentaren und dem Teilen des Beitrages unterstützt du auch meine Arbeit an diesem Blog.
Die Kate
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Hallo Kate, das sind gute Tipps die ich alle auch so geben würde!
Bin auch gerade erst von einer Kurzreise zurück bei der ich viel am Meer fotografiert habe. Mit tollen Wellen, Wind und allem was dazu gehört.
Ich habe zusätzlich zum Tuch auch immer ein kleines Sprühfläschchen mit Leitungswasser dabei (so Reise-Parfum-Zerstäuber sind super) um das Salz vom Objektiv zu bekommen. Manchmal ist ja so viel Salz in der Luft dass die Frontlinse eine regelrechte Salzschicht ansetzt. Mit einem Tuch verschmiert man den Salz-Film nur oder macht sich im schlimmsten Fall Kratzer auf die Linse. So erst mit klarem Wasser die Frontlinse (ein bisschen) nass machen und dann erst mit einem Mikrofasertuch abwischen. Je nachdem wie viel Salz und / oder Sand in der Luft ist würde ich auch einen Schutzfilter in Betracht ziehen (was ich sonst vermeide). Die Gegenlichtblende kann helfen, bei viel Wind kann sie aber auch zu viel Widerstand bringen und es wird noch schwieriger die Kamera ruhig zu halten.
Ganz was anderes, wird es noch mal einen aktualisierten Beitrag geben was du alles an Büchern empfehlen kannst? Ich habe aufgrund deiner Empfehlungen schon meine Bibliothek ergänzt und bin neugierig was in den letzten Jahren noch dazu gekommen ist. Das Buch von Paul Sanders dass du erwähnt hast ist auch richtig gut.
Hallo Kate, vielen Dank für Deine Tipps. Vielleicht ergänzend: ich stülpe gern eine Klarsichtfolie über meine Kamera, zum Bildeinrichten usw., wenn ich mir dann sicher bin: Folie weg, schnell ausgelöst, da ist die Linse manchmal noch ohne Tropfen :). LG.LB.
Hallo Bernd,
ein sehr guter Tipp, um die Kamera zu schützen. Danke Dir.
Die Kate