5 Fehler bei der ICM Fotografie - und wie du sie vermeidest

ICM Fotos gehen auch bei betongrauem Himmel wie hier an der Royal Albert Bridge in Plymouth
Trotz starker Bewegung alle 5 Fehler vermieden 😉

Fehler Nr. 1: Zu kurze Belichtungszeit

Der häufigste Fehler bei ICM-Einsteigern ist gleichzeitig der grundlegendste: Die Belichtungszeit ist schlicht zu kurz.

Das Resultat sind Bilder, die …

  • weder scharf noch wirklich ICM sind – sie wirken wie zufällige Verwackler, wie ein missglücktes Foto.
  • unscharf sind, aber nur eine kurze Verwischspur in eine Richtung haben. Das sieht selten gut aus.
  • ohne malerische Qualität sind, die ja die ICM ausmacht.

ICM heißt, die Kamera während einer längeren Belichtung bewusst zu bewegen.

Der Sensor registriert dabei die Lichtspuren dieser Bewegung. Dabei werden bestehende Linien verlängert, verbreitert, betont, völlig unsichtbar gemacht. Oder es entstehen ganz neue Linien und Farbverläufe.

Damit das gut funktioniert, braucht es Zeit – genug Zeit, für die beste Bewegung für das jeweilige Motiv. Wenn du mit einer sehr geringen Belichtungszeit fotografierst, dann erscheinen ganz oft einfach nur kurze Striche oder Haken im Bild. Das wird keinem Motiv gerecht und sieht oft nicht einmal spannend aus.

❌ mit 1/20 s zu kurz belichtet

Als Faustregel gilt: ICM braucht in der Regel mindestens 1/10 Sekunde, um überhaupt sichtbar zu werden. Wenn du mit solch einer sehr geringen Belichtungszeit fotografierst, dann erscheinen ganz oft einfach nur kurze Striche oder Haken.

Viele gelungene ICM-Bilder entstehen mit Belichtungszeiten zw. 1/4 Sek und 2 Sek. Deshalb gebe auch ich den Hinweis, mit einer halben Sekunde oder 1 Sekunde Belichtungszeit zu starten, wenn du keine Erfahrung hast. Viele bleiben dann aus Gewohnheit bei diesen Belichtungszeiten, obwohl diese Belichtungszeiten nur ein ganz grober Richtwert sind.

Ich nutze gerne komplexere Bewegungen und dann oft auch 5, 8 oder sogar noch mehr Sekunden. 

Denn der genaue Wert für eine gelungene Bewegung hängt von der Komplexität der Bewegung, der Bewegungsgeschwindigkeit und natürlich vom gewünschten Effekt ab.

✅ Hier eine ähnliche Situation. Mit 8 s belichtet ist das Bild malerischer und die trübe Stimmung kommt viel besser rüber.

Woher kommen aber zu kurze Belichtungszeiten?

„Ich hab den Filter nicht mitgenommen.“ Das höre ich oft von Kursteilnehmern als Entschuldigung, wenn ich ihnen bei der Bildbesprechung eine längere Belichtungszeit empfehle. Mit dem „Filter“ meinen sie einen Graufilter (auch ND-Filter genannt), der wie eine Sonnenbrille für den Kamerasensor wirkt. Damit gelangt weniger Licht auf den Sensor. Dadurch kannst du mit längerer Belichtungszeit ausgleichen, um ein richtig belichtetes Bild zu bekommen. Denn es war schlicht zu hell, um länger zu belichten, ohne das Bild komplett zu überbelichten.

Wenn du noch keinen Graufilter hast, schau dir meine Empfehlungen in meinem Blog Artikel „ Graufiler“ dazu an. Denn tagsüber ist es kaum möglich, ohne einen solchen Filter auf eine Belichtungszeit von 1/2 Sekunde oder länger zu kommen – selbst bei kleiner Blende und niedrigem ISO.

Falls du (noch) keinen hast, musst du deine ICMs morgens oder abends, zu blauer oder goldener Stunde oder bei bedecktem Himmel machen.

Fehler 1 vermeiden: Plane ausreichend Zeit für eine passende Bewegung ein, statt zu versuchen in einer kurzen Zeit schneller zu bewegen.

Fehler Nr. 2: Zu knapper Bildausschnitt– wenn die Komposition nicht zur ICM-Technik passt

Ein Fehler, der selbst erfahreneren ICM-Fotografen manchmal unterläuft: Sie komponieren das Bild als würden sie ein „normales“ Foto machen und dann bewegen sie die Kamera mehr als nur minimal.

Bildanteile am unteren Bildrand sind bei einer Bewegung nach oben einfach nicht mehr auf dem Sensor und so ist es mit den anderen Richtungen auch: Bewegung nach rechts -> linker Teil des komponierten Bildes fehlt … Bildelemente, die du für wichtig hältst , z.B. ein Fahrrad vor einem Haus, verschwinden bei einer Bewegung der Kamera nach oben.

Aber auch wenn die Elemente im Bild bleiben, wirken sie durch die Bewegung anders.

Wenn du zum Beispiel eine horizontale Bewegung nach rechts planst und ein Boot ins linke Drittel deines Bildes legst, wird es von dort aus nach links verwischt. Das wirkt eher nicht so schön. Legst du das Boot jedoch deutlich weiter rechts ins Bild, dann erstreckt sich die Verwischspur bei einer Bewegung der Kamera nach rechts über den mittleren Teil des Bildes. Das gibt ein harmonisches Bild.

Die Lösung ist einfach:

Solltest du ein Zoomobjektiv benutzen und die Brennweite passend zu deinem Motiv gewählt haben, dann nimm einfach eine kleinere Brennweite. Zwischen 5-10 mm reichen meist aus

Solltest du eine Festbrennweite benutzt haben und dein Bild richtig komponiert haben, dann musst du leider vor der Aufnahme ein paar Schritte zurück gehen.

ICM Fotos haben oft ein malerisches aussehen, wie hier Weinberg mit Rosen vor der Albrechtsburg zu Meissen
Mit einer minimalen Bewegung bleibt die Albrechtsburg in Meissen auch beim ICM an richtiger Stelle, aber oft willst du mehr als eine minimale Bewegung machen.

Um zu vermeiden, dass dir etwas aus dem Bild wandert, wähle also einen weiteren Ausschnitt, als du es normalerweise tun würdest. Plane ein, wohin sich das Motiv durch deine Bewegung verschieben wird – und lasse entsprechend Raum.

Mach dir nicht allzu viele Sorgen um ein paar ungewollte Bildanteile an den Bildrändern, die du jetzt vielleicht im Bild hast. Ein Großteil dieser Störer ist durch die Bewegung überhaupt nicht mehr sichtbar. Das möchtest du aber natürlich noch vor Ort am Display kontrollieren und eventuell den Bildausschnitt noch einmal anpassen.

Fehler 2 vermeiden: Frag dich vor jeder ICM-Aufnahme: Was ist das Herzstück dieses Bildes? Welche Linie, welche Form, welcher Farbkontrast soll nach der Verwischung noch wo und wie erkennbar sein. Und: Habe ich genug Raum im Ausschnitt, um die geplante Bewegung auszuführen, ohne dass mein Hauptmotiv aus dem Bild verschwindet?

Es bedurfte auch bei mir einiger Bilder, bis die Spitze des Pavillion komplett im Bild und gut zu sehen war.

Ein kleiner Hinweis auf den nächsten ICM Intensivfotokurs, der am 5./6. September 2026 stattfindet, sei mir hier gestattet.

Fehler Nr. 3: einfach drauflos bewegen, ohne ein gewisses Verständnis der Bewegung

ICM Fotografie wirkt auf den ersten Blick komplett unvorhersehbar – schütteln, schwenken, wedeln – sieht immer anders aus.

Kein Wunder, dass viele Einsteiger einfach drauflos wackeln und dann enttäuscht sind, wenn nichts dabei herauskommt oder ein Zufallstreffer sich nicht in ähnlicher Form wiederholen lässt.

Der Irrtum liegt darin, dass in der ICM Fotografie die Kamerabewegung eben nicht zufällig, sondern „intentional“ = bewusst und kontrolliert ist.

Das bedeutet nicht, dass jede Bewegung bis ins letzte Detail planbar wäre. Aber du solltest  zumindest die Grundprinzipien verstehen und wissen, welche Bewegung welchen Effekt erzeugt.

Meine Lieblingsgrundbewegungen habe ich dir in einem eigenen Blog-Artikel vorgestellt. Schau gerne dort rein.

Solltest du noch tiefer einsteigen wollen: In meiner Vortragsaufzeichnung beschreibe ich diese und weitere Grundbewegungen ganz ausführlich.

Dabei gehe ich gezielt darauf ein was bei jeder einzelnen Bewegung mit den wichtigsten Linien im Bild passiert und wie das das Motiv beeinflusst.

Was viele zu wenig gezielt ausprobieren: Die Bewegungsgeschwindigkeit ist mindestens genauso wichtig wie die Belichtungszeit. Eine schnelle Bewegung bei 1/4 s kann ähnlich viel Unschärfe erzeugen wie eine langsame Bewegung bei 1 s.

Eine Zoom Bewegung passt zu Motorrädern, da sie Bewegung suggeriert.

Je schneller die Kamera bewegt wird, desto abstrakter wird das Bild. Je langsamer und kontrollierter, desto mehr Struktur bleibt erhalten.

Auch der Bewegungsablauf selbst beeinflusst das Ergebnis stark. Du kannst die Bewegung beginnen, bevor du den Auslöser drückst, und vor Ende der Belichtungszeit aufhören.

Für weiche horizontale oder vertikale Linien, wie du sie bei Bildern am Strand oder im Wald Bäumen möchtest, beginnst du die Bewegung bereits vor dem Auslösen und führst sie über das Ende der Belichtung hinaus. So vermeidest du abrupte Starts und Stopps, die sich als Geisterbilder (Mehrfachbelichtung) oder Unregelmäßigkeiten im Bild zeigen können.

Fehler 3 vermeiden: ICM ohne Konzept ist Glückssache. Lerne die Grundbewegungen, wähle eine Bewegung, die zum Motiv passt, und übe sie kontrolliert. Erst dann experimentiere mit Kombinationen.

Fehler Nr. 4: Lichtverhältnisse in missachten

Schwierige Lichtsituation, wo ich einen weißen Hintergrund in Kauf nehme, aber darauf achte, dass mein Motiv nicht zu hell wird.

Du stellst eine bestimmte Belichtungszeit, ISO und Blende ein und denkst dann, das passt schon.

Du bewegst aber die Kamera in einen deutlich helleren Bereich, zum Beispiel vertikal in den Himmel. Nicht selten stellst du dann auf dem Display fest, dass bestimmte Bildteile völlig ausgebrannt sind, also rein weiß ohne Details.

Und selbst wenn du die Kamera gar nicht aus deinem Ausgangsbild heraus bewegst, kann es eng werden: Große Lichtunterschiede im Motiv selbst führen bei ICM Fotos oft zu unschönen extrem hellen Bereiche oder Linien. Besonders dort, wo durch die Bewegung helle Bereiche aufeinander treffen, kann dein Bild komplett weiß werden. Denn der Sensor addiert einfach alles Licht, das auf ihn fällt.

Abhilfe schaffst du, indem du dir, bevor du auslöst, die Lichtverhältnisse um dein Motiv herum bewußt machst. Schau nicht nur auf den Startpunkt deiner Komposition, sondern auch auf den Endpunkt der Bewegung und alles dazwischen. Wo ist es hell? Wo gibt es offenen Himmel, Lichtquellen, Gegenlicht?

Ein praktischer Trick: Wechsle kurz in den Zeitautomatik-Modus und richte die Kamera auf die hellsten Bereiche im geplanten Bewegungspfad. Die angezeigte Belichtungszeit zeigt dir, wie lang deine Belichtung maximal sein darf, um dort noch Zeichnung zu behalten.

Die naheliegendste Lösung wird aber häufig übersehen.

Oft muss deine Bewegung gar nicht bis in diese hellen Bereiche hineinführen.

Bei Waldbildern z.B. nimmst du nicht die ganzen Bäume in deinen Bildausschnitt und bewegst die Kamera vertikal nur so weit, bis die Baumkronen den oberen Bildrand erreichen.

Hier bin ich auch wegen der Lichtverhältnisse am Kanalufer geblieben und nicht weiter hoch gegangen mit der Bewegung.

Fehler 4 vermeiden: Mach dir die Lichtverhältnisse im Bild und im Bewegungsradius bewusst, denn der Sensor addiert alles licht, das auf ihn trifft.

Fehler Nr. 5: Keine Bildbearbeitung – das Bild bleibt in der ICM Fotografie immer unfertig

Malerisches Aussehen von Pilzen durch ICM
Für mich darf hier das Rot des Fliegenpilzes so kräftig sein wie ohne ICM. Deshalb habe ich den Kontrast erhöht und Dunst entfernt.

ICM Fotos sehen erst einmal trüber aus als erwartet. Die Farben wirken verwaschen, ein leichter Grauschleier liegt über allem. 

 

In Foren lese ich immer noch, das perfekte Bild entstehe in der Kamera – Bildbearbeitung sollte unnötig sein. Bei der ICM Fotografie (aber auch sonst) stimmt das einfach nicht.

ICM Bilder brauchen Nachbearbeitung, nicht weil das Rohmaterial schlecht ist, sondern weil die Technik es so mit sich bringt: Die Überlagerung vieler Lichtwerte während der Belichtung reduziert den Kontrast. Du nimmst das als Grauschleier wahr.

Dazu kommt: Komplementärfarben, die durch die Bewegung aufeinandertreffen, mischen sich zu Grau. Weniger Kontrast, weniger Farbe – das ist der normale Ausgangspunkt.

Zuerst: der Zuschnitt. Wenn du Fehler 2 vermieden hast, also mit großzügigem Ausschnitt fotografiert hast, ist dein Bild nicht perfekt geschnitten. Ein bewusster Zuschnitt kann dein Bild deshalb nochmals deutlich stärken.

ICM Fotografie braucht Bildbearbeitet, deshalb hier St. Nectans Glen Wasserfall unbearbeitet und deshalb sehr flau (kontrastarm)
Unbearbeitet, nur geschnitten
Bearbeitet, oft braucht es für mich gar nicht so viel

Die nächsten Schritte in der Nachbearbeitung sind fast immer dieselben: Belichtung anpassen und Kontrast erhöhen. Nicht unbedingt mit dem Kontrastregler, sondern: Schwarzpunkt runterziehen, Tiefen reduzieren und Weiß etwas erhöhen.

Ein unterschätztes Werkzeug: Dunst entfernen (Dehaze). Für Landschaftsfotos entwickelt, wirkt es bei ICM Bildern oft Wunder – es bringt Struktur und Sättigung in einem Schritt zurück.

Manchmal reicht das, um aus einem flauen ICM-Bild etwas zu machen, das wirklich leuchtet.

Dunst der zur Atmosphäre gehört, wird nur etwas reduziert. 😉

Danach lohnt sich die Farbbearbeitung. Weil dein Bild durch die ICM Fotografie weniger Details hat, tragen Farben mehr zur Bildaussage bei.

Hier lohnt es sich gezielt mit Farbton, Sättigung und Luminanz zu spielen. Einzelne Farbkanäle lassen sich verstärken oder abschwächen, um die Stimmung zu betonen. 

Erst zum Schluss schaue ich auf Klarheit und Struktur.

Bildbearbeitung ist sehr individuell, aber ohne wirken ICM Fotos immer flau.

Fehler 5 vermeiden: Da ein Grauschleier im Ausgangsbild normal ist, verbesserst du es mit Bildbearbeitung. Kontrast erhöhen, Farben rausarbeiten, Dehaze ausprobieren, sind wichtige Schritte. Gezieltes Zuschneiden verstärkt deine Bildaussage.

Schreib mir gerne, welchen Fehler du bei deiner ICM Fotografie schon gemacht hast. Oder kennst du noch andere Fehler, die man bei der ICM unbedingt vermeiden sollte? Schreib sie auch in die Kommentare und hilf anderen, bessere ICM Bilder zu machen.

Na klar interessiert mich deine Erfahrung mit ICM Fehlern, aber mit deinen Kommentaren und dem Teilen des Beitrages unterstützt du auch meine Arbeit an diesem Blog.

Die Kate

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