Domiplan 50mm 2.8: Lohnt sich dieses Vintageobjektiv?

Vintageobjektive eröffnen in der Makrofotografie eine ganz eigene Bildwelt.  Das Domiplan 50mm f/2,8 ist ein spannender Vertreter davon.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dieses Objektiv an deine Kamera bekommst, warum sein Bokeh so auffällig ist, für welche Motive es sich besonders lohnt und worauf du bei der Nutzung achten solltest.

Im folgenden Inhaltsverzeichnis kannst du direkt zu den einzelnen Themen springen. 

Inhaltsverzeichnis:

  1. Zusammenfassung für Eilige
  2. Was das Domiplan als Vintageobjektiv ausmacht
  3. So bekommst du das Domiplan an deine Kamera
  4. Handling und Einsatz 
  5. Für wen lohnt sich das Domiplan?
  6. Mein Fazit

Dieser Beitrag ist Teil meiner Serie zur Ausrüstung in der Makrofotografie. Bisher existiert schon ein Artikel zu Nahaufnahmen ohne Makroobjektiv, wo ich dir verschiedene Möglichkeiten für kleines Geld ohne Spezialobjektiv vorstelle.

1. Zusammenfassung für Eilige

  • sehr einfach und preisgünstig auf Flohmärkten und im Internet zu haben
  • schönes weiches Bokeh (siehe Abschnitt 2)
  • Einfach zu bedienendes manuelles Objektiv, d.h. es gibt keinen Autofokus und du musst die Blende manuell einstellen und sie dir aufschreiben, wenn du sie später noch wissen willst, denn sie wird nicht gespeichert
  • Anschluss ist ein M42 und dafür brauchst du einen Adapter (siehe Abschnitt 3)
  • nur 6 Blendenlamellen, deshalb manchmal 6 eckige Bokehblasen
  • da es ein altes Objektiv ist, weist es starke Unschärfe in den Randbereichen und bei offener Blende auf

Für jeden der Spaß an einem ungewöhnlichen Look in seinen Fotos hat. Am besten geeignet mit Zwischenringen für Makrofotografie/Blumenfotografie.

2. Was das Domiplan Vintageobjektiv ausmacht

Akelei mit Domiplan mit Zwischenringen

Schon als ich das Domiplan zum ersten Mal ausprobierte, war ich begeistert. Vielleicht war es Glück, dass ich mir Gartenblumen für meine ersten Versuche ausgesucht hatte und relativ schnell Zwischenringe eingesetzt habe.

Jedenfalls war ich vom Bokeh, also dem unscharfen Hintergrund und manchmal auch Vordergrund begeistert. Es läßt die Blumen sehr schön romantisch und zart erscheinen.

Aber hier erst einmal die harten Fakten. Das Domiplan ist ein Objektiv, das in den 1960er Jahren entwickelt und bis in die späten 80er Jahre in der DDR vom VEB (Volkseigener Betrieb) Meyer-Optik Görlitz später auch unter Pentacon gebaut wurde.

Optisch ist es sehr einfach aufgebaut und besteht nur aus drei Linsen (Triplet-Konstuktion). Dadurch ist es sehr preisgünstig und wurde in Massen produziert.

Dieser schlichte Aufbau sorgt dafür, dass das Objektiv nicht perfekt korrigiert ist. Die Schärfe fällt zu den Rändern hin extrem ab. Genau das macht aber seinen Reiz aus. Denn dadurch entsteht das typische, leicht „unruhige“ spannende Bokeh.

Das Domiplan hat eine feste Brennweite von 50mm und ist mit einer maximalen Blendenöffnung von f/2.8 sehr lichtstark. Abblenden läßt es sich maximal auf f/22.

Die Naheinstellgrenze beträgt 75 cm. Das ist für Makroaufnahmen sehr weit weg.

Frühlings-Adonisröschen mit Domiplan mit Zwischenringen

Das Domiplan besitzt nur 6 Blendenlamellen, die auch nicht abgerundet sind. Dadurch entstehen bei Gegenlicht oft sechseckigen Bokehblasen, die dem Domiplan seinen ganz eigenen Look geben. 

Ich weiß, dass nicht jeder sie mag, aber für mich geben sie den Fotos ein etwas verspieltes Aussehen.

Im Abendlicht leuchtendes frisches Birkenblatt mit dem charakteristischen Bokeh des Domiplans. Im Hintergrund. Besonders in der Spiegelung. Auf einem Zweig zeigen sich die sechseckigen Bokeh Blasen.
Domiplan mit zwei Zwischenringen 18 u. 11mm an Nikon Z6
Domiplan mit zwei Zwischenringen 18 u. 11mm an Nikon Z6

3. So bekommst du das Domiplan an Deine Kamera

- M42 Adapter einfach erklärt

Das Domiplan hat einen sogenannten M42-Gewindeanschluss.

Du brauchst du einen Adapter, damit du dieses Vintageobjektiv und viele andere mit M42 Anschluss an deiner Kamera nutzen kannst. Der Adapter nimmt auf der einen Seite das M42-Gewinde auf und auf der anderen Seite muss er zum Anschluss deiner Kamera passen.

Das Domiplan wird einfach auf den Adapter geschraubt und der Adapter wie ein Objektiv an der Kamera montiert.

Leider ist der Adapter teurer als das Objektiv. Ich habe ca. 45€ für einen von K&F gezahlt. Er ist aus Metall (darauf solltest du achten) und robust, sitzt perfekt auf meiner Z6 und ich bin sehr zufrieden damit. Es gibt solche Adapter auch von Novoflex und anderen Firmen. 

Hier der Adapter, den ich für meine Nikon Z6 benutze. Es ist ein M42-NIK Z Adapter und passt daher an alle Nikon Kameras mit Z Anschluss.

Da ich mit diesem Adapter sehr zufrieden bin, habe ich kein sogenanntes Helicoid ausprobiert. Solltest du dich dafür interessieren, schau gerne bei den Artikeln von Bernd Kieckhöfer im Dogma. Magazin vorbei.

4. Handling und Einsatz

Blende einstellen und fokussieren

Das Domiplan ist ein altes Objektiv und deshalb funktioniert der Autofokus deiner Kamera mit ihm nicht. Trotzdem läßt es sich einfach bedienen.

Blende und Fokus lassen sich aber sehr leicht einstellen. Denn das Domiplan hat dafür 2 Einstellringe. Der äußere stellt die Blende (von 2,8 bis 22) und der innere die Fokusentfernung (von 0,75 m bis unendlich) ein. 

Eine zusätzliche Skala mit Blendenwerten rechts und links des roten Dreiecks zeigt dir an, wie groß der Schärfebereich ist. Im Bildbeispiel habe ich eine Fokus-Entfernung von 2 m eingestellt. Bei einer Blende von 8 kann ich eine Schärfe ab ca. 1,6m bis knapp 3 m erwarten. Natürlich kannst du den Schärfebereich auch mit Schärfetiefenrechnern ermitteln.

Einstellung am Domiplan

Leider reichen die 75 cm Naheinstellgrenze selten, um dein Makromotiv schön groß ins Bild zu bekommen.

Deshalb nutze ich oft Zwischenringe. Dann stimmen die Entfernungsangaben auf dem Ring natürlich nicht mehr und ich kann auch nicht mehr bis unendlich fokussieren. Willst du mehr zu Zwischenringen wissen, dann schau in meinen Beitrag zu Nahaufnahmen ohne Makroobjektiv.

Meine Vorgehensweise ist dann: Geringste Entfernung einstellen und durch Rangehen an mein Motiv austesten, wie jetzt die Naheinstellgrenze ist. Wenn diese dazu führt, dass mein Motiv nicht mehr auf den Sensor passt, gehe ich etwas zurück und drehe am Fokusring auf eine größere Entfernung. Eventuell braucht es einen weiteren Zwischenring.

Das Fokussieren selbst geschieht dann ganz manuell mit dem Körper. Ich gehe langsam vor und zurück und löse aus, wenn das Bild im Sucher scharf ist.

Wofür kannst du das Domiplan gut einsetzen?

Ich habe mit dem Domiplan noch keine spannenden Landschaftsfotos machen können. Aber auf dem Blog von naturblelichtet kannst du ein paar schöne Waldfotos mit einem Domiplan sehen. (Anmerkung: Das dort gezeigte Domiplan hat einen anderen Anschluß/Adapter mit Metalllasche. Meins hat keine und läßt eine Einstellung der Blende einfach durch Drehen am Blendenring zu.)

Wofür setze ich es also ein?

  1. Für Makrofotos mit schönem Bokeh

Meist waren es bisher Frühblüher und Blätter, die ich gerne mit denm schönen Bokeh fotografiert habe.

Einige Bilder hast du ja in diesem Blog-Artikel schon gesehen. Du hast sicher bemerkt, dass das Bokeh sehr weich ist und die Bokehblasen mit 6 Ecken nur im Gegenlicht auftauchen. 

Frühlingsadonisröschen, Domiplan mit 18mm Zwischenring an Nikon ZII

2. Für kreativ Fotos mit out of focus Technik (bewußt unfokussiert) oder Bokehschablone

Nicht jeder mag komplett unscharfe Fotos. Wenn du mich ein wenig kennst, weißt du, dass ich sie liebe und deshalb gern und oft ICM (intentional camera movement) Fotos mache.

Falls nicht schau gerne in meine besten kreativen Fotos aus 2025.

Das Domiplan bringt zu solchen Fotos sein eigenes schönes Bokeh und seine Randunschärfe mit.

Ein out of focus Foto einer rosa Pfirsichblüte vor blauem Himmel gemacht mit dem Domiplan, dass seine ganz eigene Unscharfe dazufügt.
Out of focus Pfirsichblüte mit dem Domiplan
Out of focus Schlüsselblumen mit dem Domiplan
Mit Domiplan und Schneeflocken Bokehschablone 2 Distelköpfe, die dadurch ein spannendes strukturiertes Bokeh bekommen
Distelblüten mit Domiplan und Bokehschablone

5. Für wen lohnt sich das Domiplan?

Da es über Jahre ein Massenprodukt war und deshalb sehr günstig zu bekommen ist, lohnt sich schon das Ausprobieren. Selbst wenn du es danach wieder verkaufst. 

Besonders lohnt es sich aber für den versierten Makrofotografen zusammen mit Zwischenringen oder einem Helicoid, um dichter an das Motiv heran gehen zu können. Dann zeigt sich die wahre Stärke der Randunschärfe und des schönen Bokehs.

Da das Domiplan recht leicht ist (150g), kannst du es einfach jederzeit mitnehmen. (Anmerkung: Meines hat keine Kappe und auch keine Sonnenblende, so dass ich eine Lebensmittel- Silikon-Haube als Schutz über die äußere Linse stülpe und es damit vor Staub schütze.) 

Pfirsichblüten mit Domiplan und Zwischenringen

6. Mein Fazit

Das Domiplan ist kein Objektiv für perfekte Schärfe. Sein Reiz liegt im Bokeh, z.B. in den oft sechseckigen, leicht wilden Bokehblasen, die deine Bilder sofort anders wirken lassen.

Wenn du Spaß daran hast, bewusst weg von „technisch perfekt“ zu gehen, lohnt es sich, das Domiplan einfach auszuprobieren. Es ist günstig zu bekommen, schnell adaptiert und du findest schnell selbst heraus, ob du es magst.

Wenn du gerne Detailfotos machst, egal ob mit Domiplan oder Makroobjektiv, dann kennst du bestimmt das Problem mit dem Wind. Der Wind macht es dir schwer zu fokussieren und ein scharfes Foto zu bekommen. Da musst du oft zu kleinen Tricks.

Hol dir dafür gleich meine 7 Tricks für tolle Fotos, obwohl der Wind pfeift:

Bonus: Regelmäßig Tipps und Tricks zur Fotografie. (Du kannst dich jederzeit abmelden.)

Wie immer freue ich mich sehr über deinen Kommentar. Hast du das Domiplan schon ausprobiert? Hat dir der Artikel weitergeholfen eine Entscheidung für oder gegen ein Domiplan zu treffen? Welche Erfahrungen hast du überhaupt schon mit Vintageobjektiven? Gerne kannst du auch ein auf 1200 Pixel verkleinertes Bild im jpg Format hochladen.

Mach dir dein eigenes Bild!

Die Kate

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3 Kommentare zu „Domiplan 50mm 2.8: Lohnt sich dieses Vintageobjektiv?“

  1. Hallo Kate,
    ich fotografiere seit vielen Jahren mit Vintage-Objektiven. Besitze auch das Domiplan 2.8/50 , aber mit Exakta-Anschluss. Im Verlauf der langen Zeit habe ich mir eine stattliche Zahl von 10 verschiedenen Objektiven und 4 Adaptern zugelegt, 3 Meyer-Görlitz.
    Ich liebe diese Art der Fotografie, insofern ist Dein Artikel Freude für mich, aber nichts Neues. Nenne sie prosaisch “ meine Blümchen-Fotografie“. Fotografiere immer mit Offenblende. Von Nichtinteressierten und Nichtkennern kam schon mal der Kommentar- etwas unscharf, zumal jedes Objektiv anders reagiert.
    Liebe Grüße Ilona
    P.S. Das beigefügte Foto ist mit Domiplan entstanden.
    Ich liebe diese

    1. Hallo Ilona, wow 10 verschiedene Vintage Objektive und viel Erfahrung, da wundert es mich nicht, dass nichts Neues dabei war. Ich freu mich, dass er trotzdem eine Freude für dich war. Danke für das Bild. Hast du unter den 10 ein Lieblingsobjektiv?

      Die Kate

  2. Hallo Kate, ich freue mich, dass Du mir geantwortet hast. Ich habe 3 Lieblingsobjektive, und zwar das Kilfitt Makro-Kilar E 3.5/4cm (hatte ich mir aus Wien schicken lassen und das Teuerste in meiner Sammlung), das Tessar 2.8/ 50 mm und mein liebstes, das Pentacon Auto 1.8/50mm. Für mich diese Art der Fotografie malen mit Licht. Aber der Wind ist natürlich ein Problem, zumal der Schärfentiefe erreicht nur 1-2Millimeter beträgt bei Offenblende.
    Liebe Grüße und danke!
    Ilona

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