Unterschiedliche leuchtende Grüntöne der Bäume im Frühjahr zeigen die Herausforderungen beim Fotografieren im Wald

Fotografieren im Wald – Herausforderungen meistern

Neulich noch war ich im Elbsandsteingebirge auf Fotowanderreise und als Erstes hat die Flut um Bad Schandau meinen fein säuberlich ausgearbeiteten Wanderroutenplan über den Haufen geworfen. Fotografieren im Wald sollte das erste Thema sein, bevor es auf die Aussichten und in die Felsen ging.

Zum Glück entdeckten die Fotowanderreisenden auch auf der neuen Route ihre ersten schönen Fotomotive im Wald.

Jetzt hatten sie genau mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen, die dir häufig beim Fotografieren im Wald begegnen:

1. Wenig Licht
2. Hohe Kontraste
3. eine grüne Hölle

Was soll ich sagen, sie mussten sich noch einmal mit Technik und ihrer Kamera auseinander setzen und haben schöne Waldfotos mit nach Hause genommen. Das kannst du mit diesen Tipps hier auch.

Brauchst du spezielles Equipment für die Fotografie im Wald?

Nein, das brauchst du nicht. Auch eine einfache Kamera kannst du gut benutzen. Aber ein paar Dinge helfen dir sehr. Dazu gehören: ein Stativ (z.B. ein Reisestativ von Rollei), ein Polfilter (schau in meinen Blog-Artikel: Brauchst du einen Polfilter für die Landschaftsfotografie? ), eine Matte zum darauf knien oder liegen (Ich habe ein uquip Sitzkissen dafür) und eine Taschenlampe.

Fotografieren im Wald mit Polfilter

Einen Polfilter (oder auch Polarisationsfilter) habe ich tatsächlich immer dabei, wenn ich in den Wald zum Fotografieren gehe. Oft schon habe ich ihn eingesetzt, um das Grün satter und die Farben kräftiger zu machen, aber auch, um allzu helles Laub abzudunkeln. Oft basiert nämlich auch das grelle Licht auf abgestorbenen trockenen Blättern auf Spiegelung und kann zumindest teilweise durch einen Polfilter entfernt werden.

Neben der Farbe, sind es aber vor allem Spiegelungen auf nassen Steinen oder einer Wasseroberfläche, die ich mit dem Polfilter beeinflusse.

Die genaue Wirkung des Polfilters, also wie stark er Spiegelungen entfernt, hängt allerdings von der Lichtrichtung ab.

In meinem Blog-Artikel: Brauchst du einen Polfilter für die Landschaftsfotografie? findest du eine genaue Erklärung, wie der Filter wirkt und warum ich ihn für unverzichtbar halte.

Dabei denke immer daran, dass der Polfilter Licht schluckt und sich deshalb die Belichtungszeit verlängert. Da kann schon mal schnell eine sehr hohe ISO Zahl nötig sein, um das Foto richtig zu belichten. Besser ist es in dieser Situation ein Stativ dabei zu haben und die Belichtungszeit zu verlängern.

1. Herausforderung: Fotografieren im Wald mit wenig Licht

Da erzähle ich dir nichts Neues: Im Wald und gerade in Tälern und Schluchten ist es oft dunkel.

Im Sommer ist das vielleicht für dich angenehm weil es kühler ist, aber beim Fotografieren, wird es durch das fehlende Licht schwerer. Sogar im wörtlichen Sinne, da ich dir rate ein Stativ mitzuschleppen.

Keine Angst mittlerweile gibt es recht leichte kompakte Stative, z.B. das Rollei C6i Carbon.

Du wirst merken, dass du dich an das Gewicht eines Stativs gewöhnen kannst. Mit ihm kannst du getrost länger belichten ohne zu verwackeln.

Die besonderen Bilder, die durch eine schöne Langzeitbelichtung, Fokusstacking oder HDR entstehen, wirst du bald nicht mehr missen wollen.

Focusstack im Wehlerner Grund im dunklen Bachtal zur Illustration des Nutzens eines Stativs bei wenig Licht zum Fotografieren im Wald.

2. Herausforderung: Hohe Kontraste beim Fotografieren im Wald

Hohe Kontraste - Was ist das?

Mit dem wenigen Licht unten im Wald, kommt oft ein zweites Problem, wenn du Himmel mit im Bild hast. Ein hoher Kontrast zwischen dem dunklen bodennahen Objekten und dem Himmel, der durch die Baumkronen hindurch sichtbar ist. Dabei hilft auch ein trüber Tag leider wenig.

Die Reichweite zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Bereich eines Motives heißt übrigens Dynamik- oder Kontrastumfang und kann sich über mehr als 20 Blendenstufen von tiefster Nacht bis gleißende Mittagssonne erstrecken. Das kann keine Kamera so abbilden.

Je größer der Dynamikumfang deiner Kamera ist, desto besser kommt sie mit den Helligkeitsunterschieden beim Fotografieren im Wald klar. Dadurch hast du weniger mit ausgebrannten Lichtern und abgesoffenen Schatten zu kämpfen.

“Ausgebrannt”, das sind helle Bereiche, in denen nur weiß und keine Details mehr zu sehen sind. “Abgesoffene Schatten”, das sind dunkle Bereiche in denen alles schwarz ist und keine Details mehr wahrgenommen werden können. Beides willst du in der Regel vermeiden.

Hohe Kontraste - Was tun?

Fotografiere im Wald am besten im RAW Format und mit geringer ISO

Das RAW Format enthält die Daten, die der Sensor aufgezeichnet hat. Es ist also gar kein Bild an sich. Die RAW Datei enthält sogar ein JPEG, das dir auf dem Display angezeigt wird, auch wenn du nur RAW speicherst.

Wenn du deine Kamera aber auf JPEG eingestellt hast, macht die Kamera entsprechend deiner Voreinstellungen wie Bildstil und Weißabgleich ein komprimiertes Bild aus den Daten.

Dadurch brauchst du zwar weniger Speicherplatz und musst das Bild auch nicht unbedingt bearbeiten, aber es gehen auch Bildinformationen z.B. in den sehr hellen oder sehr dunklen Bereichen des Bildes verloren.

Deshalb willst du bei hohen Kontrasten lieber die RAW Datei speichern und bearbeiten.

Bei der ISO ist es ganz einfach so, dass der Dynamikumfang deiner Kamera größer ist, je kleiner die ISO. Deshalb hilft dir auch hier das Stativ und eine kleine ISO, die hohen Kontraste am besten zu meistern.

Felsen im Wald mit hohen Kontrasten im RAW Format fotografiert, da sich dann noch mehr Details heraus holen lassen.

Fotos ohne Himmel

Die einfachste Möglichkeit hohe Kontraste zu vermeiden ist es, den Himmel komplett auszublenden.

Am Waldboden gibt es unzählige Motive, die auch ohne Himmel tolle Fotos ergeben, z.B. Bäche, Felsen, Baumgesichter, Wurzeln oder ein Teppich aus Bärlauch.

Mache eine Belichtungsreihe

Obwohl der Dynamikumfang heutiger Kameras schon sehr beeindruckend ist, gibt es doch immer wieder Motive im Wald, die es erfordern mehrere Bilder mit unterschiedlicher Belichtung zusammen zu führen. 

Das Ganze nennt sich dann HDR (High Dynamic Range) und kann oft schon in der Kamera erzeugt werden. 

Hier würde es den Rahmen sprengen diese Technik im Detail zu erklären. Vielleicht gibt es demnächst einen eigenen Blog-Artikel dazu. Im online Kurs “Kreative Landschaftsfotos” lernst du auch diese Technik nutzen. 

Hier wären die Bäume durch das starke Gegenlicht nicht sichtbar gewesen oder die Felsen wären komplett schwarz. 

Die Kunst ist es, ein HDR noch natürlich wirken zu lassen. Deshalb habe ich noch gleißendes Licht im Himmel belassen.

3. Herausforderung: grüne Hölle

Besonders im Sommer dominieren grüne und braune Töne im Wald. Das wirkt auf deinen Fotos dann schnell wie ein Einheitsbrei und es fällt dem Betrachter deiner Bilder oft schwer zu erkennen, was du da eigentlich festhalten wolltest. Hier 6 Tipps wie du der grünen Hölle entgehst:

Tipp Nr.1: Nutze Frühjahr, Herbst und Winter ganz besonders für deine Waldfotografie, wenn du ganze Bäume oder Baumgruppen fotografieren möchtest. Im Sommer ist das besonders schwer in dem dichten Grün.

Fotografieren im Wald im Winter als Alternative zur grünen Hölle im Sommer
Nadelbäume eingerahmt von rotem Ahorn aufgenommen im Westonbirt Arboretum (England)als Beispiel für Bildgestaltung - Motiv einrahmen oder für bessere Waldfotos
Bäume Fotografieren im Wald im Schnee als Alternative zur grünen Hölle im Sommer

Tipp Nr.2: Nutze z.B. Wasserläufe, Wege, Felsen, umgestürzte Bäume, besonders große Wurzeln, um den Blick des Betrachters zu fesseln und zu leiten. Sogenannte Führungslinien leiten den Blick auf einen besonderen Baum, eine Treppe oder ein Felsentor und machen trotz viel Grün sehr schnell deutlich, worum es dir geht.

Tipp Nr.3: Vereinzele dein Objekt durch natürliche Gegebenheiten: Nutze z.B. das Licht, das durch die Bäume fällt und mache etwas zum Objekt, das sich im Lichtkegel befindet.

Auch Nebel ist ein guter Freund, um einzelne Äste, kleine Bäume oder die Rinde (inklusive Baumgesicht) eines Baumes herausstechen zu lassen.

Eine Pfütze, die die Bäume widerspiegelt, beruhigt das Bild und gibt eine Begrenzung.

Baumstamm im Vordergrundund relativ scharfer Hintergrund wodurch keine gute Vereinzelung des Baumstammes entsteht und alles wie eine grüne Hölle wirkt als Gegenbeispiel zum nächsten Foto
135mm, f/16, 0.8s, ISO 100
135mm, f/2.8, 1/40s, ISO 100

Tipp Nr.4: Gehe dicht an dein Objekt heran. Nutze dann eine offene Blende, damit der Wald hinter deinem Objekt unscharf wird. Du kannst dein Objekt auch zusätzlich mit einer Taschenlampe beleuchten. Dann sticht es aus dem umgebenden grün noch besser heraus.

Du weißt doch: Unser Blick geht in einem Foto immer zu den hellsten und schärfsten Stellen. Das willst du dir zu nutze machen.

Tipp Nr.5: Mache Nahaufnahmen von Blättern, Farnen, Moosen, Tannenzapfen, Pilzen, Blaubeeren und Wurzeln, statt eine ganze Landschaft einfangen zu wollen.

Mehr Bilder zur Inspiration findest du im Blog-Artikel: Bessere Waldfotos mit Fokus aufs Detail.

Tipp Nr.6: Zeige nur die Formen und Strukturen, indem du eine schwarz/weiß Aufnahme machst.

Am besten stellst du dazu deine Kamera schon auf schwarz/weiß. Dadurch fällt es dir leichter das Bild zu komponieren.

Wenn du gleichzeitig im RAW Format fotografierst, dann bleiben dir die Farbinformationen im Bild erhalten.

Einen Wald zu finden ist ja in Deutschland nicht schwer. Also was hält dich zurück mal wieder in den Wald zu gehen und die eine oder andere hier beschriebene Technik direkt anzuwenden?

Poste ruhig dein bestes Waldfoto hier drunter als Inspiration.

Wie immer freue ich mich auch sehr über deine Erfahrungen mit dem einen oder anderen Tipp hier und auch deine Fragen beantworte ich dir gerne.

Die Kate

PS: Ich mache selten Werbung für Bücher, aber dieses kann ich uneingeschränkt empfehlen: Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume als Bildband mit tollen Waldfotos.

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3 Kommentare zu „Fotografieren im Wald – Herausforderungen meistern“

  1. Ergänzender Tipp:

    Im Juni finden sich im Wald außerdem viele attraktive Blüten wie beispielsweise von Fingerhut (Digitalis), Großblättriger Schafgarbe (Achillea macrophylla), Schwarzem Holunder (Sambucus nigra), Wald-Geißbart (Aruncus dioicus) oder auch, wie hier,
    zwischen Laubbäumen in Licht und Schatten der Abendsonne die Blütenstände (Doppeldolden) des Gewöhnlichen Giersch (Aegopodium podagraria) an einem Berghang im Teutoburger Wald.

    F 5.6, ISO 125, 1/125 s, 99 mm (KB).
    Kamera: FZ1000

    1. Danke Dir Greta,
      da wird Dir auch der zweite Blog-Artikel zur Waldfotografie gefallen. Hab gestern gerade kleines Springkraut fotografiert. Das ist zwar eine eingewanderte, aber doch recht hübsch und im Gegensatz zum großen Springkraut auch nicht wirklich invasiv. Im 2. Wald-Blog-Artikel wird es nämlich hauptsächlich um die kleinen Dinge im Wald gehen. Bleib gespannt, der Newsletter zu beiden Blog-Artikeln kommt Ende der Woche.😉

      Viele Grüße
      Die Kate

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