Abstrakte Fotografie – “intentional camera movement (ICM)”

Die Schönheit unscharfer Bilder

Neulich hatte ich Spaß mit meiner Kamera und produzierte abstrakte Fotografien am Strand. Ich erinnerte mich daran, wie ich das vor Jahren gemacht habe, bevor ich ernsthaft mit der Fotografie begann. Danach war die Schärfe meiner Bilder ein absolutes Ausschlusskriterium. Und nun hatte ich wieder Freude daran unscharfe Bilder zu produzieren. Um die erstaunlich schönen abstrakte Bilder zu erstellen, mußte ich nur die Kamera während der Aufnahme bewegen. Da es keinen guten deutschen Begriff dafür gibt, lasse ich es beim Englischen „intentional camera movement“ kurz ICM für diese Technik.

Das  bewusste Bewegen der Kamera befreite mich von dem Streben nach ultrascharfen Bildern und setzte viel Kreativität frei. Der Zufall kommt auch ins Spiel. Du kannst die Kamera in jede beliebige Richtung bewegen. Von den Millionen Möglichkeiten gibt es zwei, die mir am meisten Spaß machen. Die möchte ich heute vorstellen.

Bild mit Zoom Burst, einer ICM Technik entstanden von einer Birke im Herbstlaub

 

2 Arten die Kamera zu bewegen in ICM

Zoom Burst

Die Erste wird Zoom Burst oder Zooming genannt. Man dreht den Zoom nach außen oder innen während man belichtet. Da das nicht wirklich Kamerabewegung ist, gibt es Leute, die den Zoom ihrer Kamera festhalten und die Kamera drehen. Ich drehe lieber am Zoom-Objektiv. Meiner Meinung nach funktioniert es am besten, wenn man ein farbenfrohes Objekt in einer ebensolchen Umgebung in der Mitte hat wie auf dem Bild oben oder dem roten Blatt und der leuchtend roten Blume in den Bildern unten.

 

Wie viel und wie schnell Du dein Objektiv drehst, bestimmt, wie das Bild aussehen wird. Verdirb Dir bitte den Spaß nicht durch zuviel Berechnung. Spiele einfach damit und ich bin sicher, Du wirst mit jedem Versuch ein einzigartiges Bild von einem bestimmten Objekt bekommen.

Das Licht sollte nicht zu grell sein, weil Du eine längere Verschlusszeit benötigst, um das Objektiv während der Belichtung drehen zu können. Beste Zeiten für diese Art von Experiment sind die blaue und goldene Stunde kurz vor und nach Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang. Gewächshäuser sind aber auch gut, weil sie etwas Licht herausnehmen, aber noch genug zum Spielen übrig lassen.

Hier ein paar technische Einstellungen für alle, die es gleich beim ersten Mal richtig machen wollen:

  • Setze die ISO auf die kleinste Zahl, die deine Kamera erlaubt.

Meistens ist es ISO 100. Dies verringert die Lichtempfindlichkeit Deiner Kamera und ermöglicht längere Verschlusszeiten.

  • Verwende eine lange Verschlusszeit, um den Effekt der Drehung deutlich zu sehen.

Bevor ich anfange, überprüfe ich, ob der Blendenmodus (Av bei meiner Canon) auf eine Blende von 16 (die höchste für einen APSC-Sensor zu verwendende Zahl) eingestellt ist. Ich fokussiere auf einen helleren Teil meines „Objekts“ und schaue, wie meine Verschlusszeit für eine optimale Belichtung aussehen würde. Dann stelle ich die Kamera im manuellen Modus auf Blende 16 und eine Verschlusszeit von doppelt oder 4x des Wertes ein, den der Blendenmodus mir gezeigt hat. Das ergibt ein leicht überbelichtetes Bild, aber normalerweise nicht zu viel. Ich überprüfe oft mit Hilfe des Histogramms auf ausgeblichene Bereiche, aber das Betrachten des Bildes in der Anzeige reicht in der Regel auch aus. Wenn das Bild zu hell ist, ist eine kürzere Verschlusszeit erforderlich. Wenn es zu dunkel ist, ist Platz für eine längere Verschlusszeit und das Objektiv kann langsamer gedreht werden. In der Nachbearbeitung passe ich die Helligkeit nach meinem eigenen Geschmack an.

Ein Graufilter (ND “neutral density” Filter) reduziert das einfallende Licht und ermöglicht somit eine längere Belichtung und mehr Zeit zum Drehen des Zoomobjektivs. Er hilft Dir starke Überbelichtung zu vermeiden. Ich empfehle Dir mindestens einen ND-Filter in Deiner Ausrüstung zu haben. Falls Du noch keinen hast und eine Kaufberatung brauchst, schau mal beim Karsten, meinem Fotomentor nach. Für Zoom Burst nutze ich meist einen leichten ND-Filter, um etwas Sonnenlicht herauszufiltern, aber trotzdem noch den Autofokus zu benutzen. Wenn man einen sehr dunklen ND-Filter verwenden muss, stellt man zuerst den Fokus ein und die Kamera dann auf manuellen Fokus um, bevor man den Filter aufschraubt.

Ich habe die meisten meiner Zoom Burst Bilder aus der Hand aufgenommen. Nur selten nutze ich hier ein Stativ.

 

Panning oder motion blur ICM

Das Drehen eines Zoomobjektivs ist jedoch nur eine Möglichkeit für ICM. Meine andere Lieblingsmöglichkeit besteht darin, die Kamera parallel zum Horizont zu bewegen. Sie wird häufig verwendet, wenn man ein Gefühl für Geschwindigkeit um ein sich bewegendes Objekt erzeugen möchten und die Kamera mit dem Objekt so bewegt, dass der Hintergrund unscharf wird. Ohne das sich bewegende Objekt erweist es sich als brillantes Spiel am Strand.

Strand, Meer und Himmel geben ein fantastisches Farbspektrum. Am besten ist es mit hohe Wellen, vielen Wolken oder leichten Farbveränderungen am Strand oder noch besser alles zusammen. Viel Spaß beim Spielen mit Verschlusszeit und Bewegungsgeschwindigkeit am besten morgens und abends. Die Bilder hier habe ich vor ein paar Wochen am frühen Morgen am Strand von Mawgan Porth in Cornwall gemacht. Ist es nicht unglaublich, wie unterschiedlich die Bilder sind, die Du an einem einzigen Strand innerhalb ganz kurzer Zeit produzieren kannst?

Eine längere Belichtung ergibt leichtere luftigere Bilder. Ein schnelleres Tempo führt zu einer stärkeren Unschärfe der Farben, wodurch an einem bestimmten Punkt fast gerade Linien entstehen. Ich habe die Kamera für mein erstes Bild nur wenig bewegt wodurch die Form der Flussmündung noch gut erkennbar ist. In den nächsten Bildern habe ich dann viel schnellere Bewegungen verwendet.

Die Kamera während der Bewegung gerade zu halten, fand ich am besten. Es lohnt sich jedoch durchaus leichte Wellenbewegungen oder andere Arten der Bewegung auszuprobieren. Ich habe nie ein Stativ verwendet, um meine Kamera perfekt gerade zu halten. Aus der Hand war für mich immer gut genug. Solange einzelne Menschen und keine große Menschenmengen im Bild stehen, macht das gar nichts. Sie verschwinden einfach in der Unschärfe.

Das Beste an der Küste? Du musst nicht mal am Strand stehen. In den letzten Tagen bin ich an der Südküste von Devon auf dem South West Coast Path gewandert, was oft eine Klippenwanderung ist. Von Babbacombe (ausgesprochen Babbacum) in der Nähe von Torquay bin ich nach Teignmouth gelaufen. Letztere ist eine kleine Küstenstadt mit Pier, Leuchtturm, preisgekrönter Kunstgalerie von Laura Wall, sowie gutem Essen und angenehmen B & Bs. Wenn Du mehr über die schöne Landschaft Südwestenglands erfahren möchtest lies auch meine blogs zu den Bedruthan Steps und den 6 besten Fotolocations Südwestenglands oder lasse dich durch meine Fotowanderreise nach Cornwall inspirieren.

Ich hatte bei diesem Spaziergang Wolken über dem Meer. Das ICM Bild links zeigt die Mischung der Farben, die durch die Wassertiefe und das, was sich unter dem Wasser befindet, erzeugt werden, zusammen mit den verschiedenen Farben, die die Wolkenschatten hervorrufen. Ein Polarisationsfilter kann die Farben des Wassers und das Blau des Himmels noch intensivieren dadurch, dass mit ihm Reflexionen entfernt werden.

Zu viele größere Einzelobjekte mit stark kontrastierenden Farben zum Hintergrund funktionieren möglicherweise nicht so gut, aber auch da kommt es aufs Ausprobieren an. 

Wie immer freue ich mich sehr über Kommentare. Melden Dich bitte unten bei meinem Newsletter an, wenn Du mehr lesen möchtest. Bilder in hoher Auflösung sind auch von mir erhältlich. Schick mir bitte einfach eine Mail an kate@katefish.eu mit deinem Wunsch.

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren von ICM und Freude an den entstandenen Bildern.

Die Kate

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2 Kommentare zu „Abstrakte Fotografie – “intentional camera movement (ICM)”“

    1. Ja die sehen aus wie Kunstwerke und es macht auch noch Spaß sie zu produzieren. Probier es doch selbst mal aus.
      Viele Grüße
      Die Kate

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